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Ulgupata und der Giftkelch

Muss man das Gift trinken um zu wissen, ob es giftig ist? Ein Märchen.

Es war einmal ein junger Mann namens Ulgupata. Er lebte in einem fernen Land, wo es den Menschen gut ging. Alle hatten zu essen und zu trinken und eine Hütte, wo sie sich im Trockenen nach der harten aber erfüllenden Arbeit ausruhen konnten.
Doch eines Tages kam der junge Mann ins Grübeln.

Wieso hat der eine Bauer mehr Kühe als der andere? Wieso kann ich nicht so eine schöne Frau haben wie mein Bruder? Er fing an zu glauben, dass das alles ungerecht sei und alle müssten doch gleich sein und gleich viel haben.

Im Herbst kamen die Menschen aus vielen Dörfern zusammen um den Göttern für die Ernte zu danken. Dabei traf Ulgupata einen Unbekannten aus einem weit entfernten Dorf. Auch dieser Fremde hatte dieses Gefühl der Ungerechtigkeit im Bauch. Er erzählte Ulgupata von einem Paradies, wo alle gleich seien und alle alles miteinander teilen würden. Alle Menschen seien dort glücklich. Ulgupata’s Augen fingen an zu glänzen und er begann zu träumen.
Ulgupata fragte den Fremden, wo er dieses Paradies finden könne. Der Fremde erzählte ihm, dass es in einem anderen Dorf ein Haus gebe. Dort sei es zu finden. Er fuhr fort: „Über dem Eingang steht „Kommunistisches Paradies“ geschrieben. Du wirst darin ein Zimmer finden mit einem grossen Tisch. Darauf steht ein funkelnder, wunderschöner Kelch mit einem Trunk darin. Der Trunk duftet herrlich. Wenn du ihn trinkst, kommst du ins Paradies.“ Ulgupata war begeistert. Dort musste er hin und fragte nach dem Weg. Der Fremde erklärte ihm alles ganz genau.  

Nach dem Fest der Ernte trennten sich die Wege der beiden. Am nächsten Tag erzählte Ulgupata seinen Freunden von der Begegnung mit dem Fremden und dem Kelch, dessen Trunk einem ins Paradies bringe. Seine Freunde erschraken sehr, als sie hörten, dass Ulgupata dorthin gehen wollte um das „Kommunistische Paradies“ zu suchen. „Weisst du denn nicht, wie viele Menschen gestorben sind, als sie den Trunk zu sich genommen haben?“ mahnte sein Freund Eltisuma. Selpatruti, eine Freundin, ergänzte ganz entsetzt: „Alle wissen, dass dieser Becher giftig ist und dass man danach wahnsinnig wird und stirbt. Schon unsere Ahnen wussten das. Wieso glaubst du das denn nicht?“ Ulgupata entgegnete: „Habt ihr die Toten gesehen, nachdem sie diesen Kelch getrunken haben? Ich glaube das nicht. Wer will denn nicht ins Paradies, wo hier alles so ungerecht ist. Dazu muss man auch etwas wagen.“

Ulgupata war nicht von seinem Vorhaben abzubringen, diesen Trunk zu sich zu nehmen um in das verheissene Paradies zu gelangen. Eltisuma und Selpatruti entschieden sich, ihn zu diesem Haus zu begleiten. Vielleicht konnten sie ihn ja noch davon abhalten auf diese schreckliche Art zu sterben.

Nachdem die drei mehrere Tage über Berge, Hügel und durch viele herrliche Täler gewandert waren standen sie nun vor dem Haus zum „Kommunistisches Paradies“. Ulgupata war schon ganz aufgeregt vor Freude und drängte hineinzugehen. Eltisuma und Selpatruti zögerten erst. Sie waren jedoch überzeugt, dass alles ein gutes Ende nehmen würde und sie selber bestimmt der Versuchung wiederstehen könnten, den Kelch zu trinken.

Am Fluss Ahupassa erfrischten sich die drei Freunde auf ihrer langen Wanderung


So gingen sie ins Haus hinein. Gleich nach dem Eingang führte eine Treppe nach unten in das Kellergewölbe. Ein modriger Geruch stieg empor. Unsere drei Freunde waren jedoch in Eile und deshalb entging ihnen dieses Detail. Sie stiegen gleich die grosse, breite Treppe in den ersten Stock hinauf. Links und rechts erstreckte sich im Obergeschoss ein langer Flur mit vielen Türen, welche alle leicht angelehnt waren.
Geradeaus war eine Tür offen und führte in einen kleinen Saal, welcher prunkvoll und doch kühl eingerichtet war. Ein stattlicher Stuhl stand an einer grossen langen Tafel. Am Ende der Tafel, wo der Stuhl stand, funkelte wie vorausgesagt der wunderschöne Kelch. Ulgupata beugte sich darüber um den feinen Duft des Trunks einzuatmen. An den Wänden waren viele weise klingende Sprüche aufgemalt. Am anderen Ende des Raums hing ein grosses Portrait, welches einen haarigen, bärtigen Mann zeigte, welcher sie grimmig zu betrachten schien. Eltisuma und Selpatruti erschauderten ob diesem Anblick. Alle hielten plötzlich einen Moment inne und waren still. Die beiden Freunde schauten sich an und sagten fast gleichzeitig: „Kannst du diese Schreie hören? Es ist wie uns die Grosseltern schon gewarnt haben. Es sind Schreie aus den anderen Räumen draussen auf dem Flur. Diejenigen, welche den Kelch getrunken haben, sind wahnsinnig geworden. Sie quälen diejenigen, welche den Kelch nicht trinken wollten.“ Ein Schaudern ging den beiden den Rücken hoch und runter. Sie fragten Ulgupata, ob er das nicht hören könne? Dieser entgegnete: „Nein, ich höre Musik in meinen Ohren. Ich werde nun den Trunk zu mir nehmen!“
Selpatruti wandte sich Ulgupata zu und sprach mit ernster, klarer aber freundlicher Stimme: „Ulgupata, mein Freund, höre auf uns! Wieso musst du das Gift trinken um zu wissen dass es tödlich ist? Sei nicht töricht. Wie kann man überhaupt auf diese Art ins Paradies kommen. Das ist eine Lüge!“

Irgendetwas schien in Ulgupata vorzugehen. Scheinbar hatten ihn die Worte von Selpatruti tief berührt. Jedenfalls entgegnete er nach einer Weile nachdenklich: „Also gut, lasst uns auf den Flur gehen und in die Zimmer schauen. Ich will mir selber ein Bild machen, um zu sehen ob das wahr ist, was ihr erzählt habt.“
Die angelehnten Türen auf dem Flur waren mit Schildern beschriftet. Darauf standen Worte wie „Kulturrevolution“, „Grosser Sprung“, „1-Kind-Politik“, „Verfolgung von Andersdenkenden“, „Umerziehungslager“, „Zwangsarbeit“ und viele mehr. Gemeinsam öffneten sie die Tür mit dem Schild „Grosser Sprung“. Mit blankem Entsetzen im Gesicht schloss Ulgupata rasch die Türe, nachdem er einen Blick hinein geworfen hatte. Das Gesehene war so unvorstellbar schrecklich und liess ihn in die Knie sinken. Schluchzend brach es aus Ulgupata heraus: „Wie können Menschen einander so etwas antun?“ Seine Freunde waren wie er sprachlos und bleich. Sie halfen ihm auf die Beine und gemeinsam eilten sie die Treppe hinunter. „Schau mal, da führt eine Treppe in den Keller hinunter“ sagte Eltisuma. „Was dort wohl ist? Und was riecht hier so modrig?“ Als sie unten angekommen waren und eine Fackel angezündet hatten um besser zu sehen, entfuhr ihnen fast gleichzeitig ein Schrei, der durch Mark und Bein ging und wohl im ganzen Dorf gehört worden war. Tote so weit das Auge reichte. Fluchtartig verliessen sie das Gebäude und setzten sich in einem nahen Wald auf einen umgekippten Baumstamm. Als sie wieder zu Atem gekommen waren sagte Ulgupata: „Ihr hattet recht. Fast hätte ich den Kelch getrunken und die Lügen geglaubt. Danke, dass ihr mich vor dieser schrecklichen Illusion gerettet habt. Ich werde euch das bis in alle Ewigkeit nie vergessen!“
Selpatruti und Eltisuma nickten nur stumm. Allen drei war die Erleichterung anzumerken, dass alles diesen gütigen Ausgang genommen hat.

Im fremden Dorf deckten sich die drei Freunde mit dem notwendigen Proviant ein und nahmen den langen Weg nach Hause unter die Füsse. Je weiter sie vom „Kommunistischen Paradies“ entfernt waren, desto leichter fühlten sie sich im Herzen. Sie begannen fröhliche Lieder der Dankbarkeit zu singen. Bald waren sie wieder zu Hause und erzählten allen, was sie erlebt und gesehen hatten. Die Grossmutter von Ulgupata sass die ganze Zeit still und aufmerksam etwas abseits auf einem Stuhl und lauschte den Erzählungen. Als die drei mit ihrer Geschichte fertig waren sagte sie zu ihrem Enkel: „Ich bin dankbar, dass du wieder da bist. Du wolltest nie auf mich hören, als ich dich vor dieser Gefahr gewarnt habe. Manchmal ist es weise anderen Glauben zu schenken ohne die Erfahrung selber machen zu wollen und so nicht den Verlockungen des Bösen zu erliegen. Und merke dir: es gibt keine Abkürzung ins Paradies. Aber das ist eine andere Geschichte…“

Die drei Freunde Ulgupata, Eltisuma und Selpatruti lebten in Frieden und Freiheit in ihrem Dorf und erzählten noch ihren Enkeln die Geschichte der langen Wanderung in das ferne Dorf und was sie daraus gelernt hatten.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

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